- Ortsverband Berlin -
 

 

Pater Vincens - kleiner Mann mit großer Wirkung

Sein Leben und Schaffen - ein Abriss                                    

Am 24. November 1929 in Berlin geboren, verlässt Pater Vincens die Stadt nur zu Studienzeiten. Kein Wunder, gab und gibt es doch (noch) immer genug zu tun für ihn an diesem, seinem Standort Berlin. Nach Kriegsende unterstützt er zunächst im elterlichen Transportgeschäft in Berlin-Grunewald. Mit Abschluss seines Studiums der Sozialarbeit nimmt er als Diplom-Sozialpädagoge seine Tätigkeit im Jugendamt Berlin-Wilmersdorf auf und leistet parallel Jugendarbeit in der katholischen Kirchengemeinde St. Karl Borromäus. Bereits mit 17 Jahren spürt er eine enge Bindung zum dortigen Orden der Salvatorianer, deren Brüder und Patres ihn bereits zu dieser Zeit tief beeindruckt und geprägt hatten. Mit 30 Jahren tritt er schließlich selbst der Gemeinschaft bei, studiert Philosophie und Theologie an den Universitäten Passau und Paderborn und beginnt nach seiner Priesterweihe im März 1966 seinen seelsorgerischen Dienst in Berlin.

Auf den Tag genau 30 Jahre seiner Dienstzeit verbringt Pater Vincens im „Knast". Er leitet die Gefängnisseelsorge der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel. Zahlreiche Artikel, Berichte und Interviews zeugen von dieser Zeit. 1992 entsteht sogar eine Foto-Reportage über ihn, „einen der populärsten Gefangenenseelsorger im Bistum Berlin". Während dieser Zeit steht er seiner „Herde von schwarzen Schafen“, wie er die Gefangenen metaphorisch nennt, vor allem im persönlichen Gespräch, mit Gebeten, aber immer auch mit Tabak, Schokolade und Zeitungen zur Seite. Parallel hierzu ist er in Kooperation mit Feuerwehr und Kriminalpolizei in der Notfallseelsorge tätig. Als er nach 20 Jahren in einem Interview gefragt wird, ob er auch ab und an ans Aufhören denke, antwortet er prompt: „An dem Tag, an dem es den –Knackis- gelingt, mir den Schlüssel zu klauen, höre ich auf!" Glücklicherweise ist es dazu in der gesamten Zeit seiner Gefängnisseelsorge nie gekommen. Dennoch legt er am 30. August 2002 - nach exakt 30 Jahren - Schlüsselbund und Funksprechgerät nieder und widmet sich weitere zehn Jahre der Krankenhausseelsorge im St. Marien-Krankenhaus Berlin-Lankwitz. Seit 2012 ist Pater Vincens, der inzwischen seinen 88. Geburtstag gefeiert hat, quasi a.D. oder - wie er verschmitzt sagt - i.R. (,,in Rufweite").

Seine Feldjäger – eine tiefe Verbundenheit                                                                                                                      Seine Beziehung zu den Soldaten nimmt bereits während des Zweiten Weltkrieges ihren Anfang, als er mit 15 Jahren als Volkssturmmann im Gefechtsstand in Berlin-Halensee (900 m - vom Elternhaus entfernt) als Melder eingesetzt – gleichaltrige Kameraden sinnlos sterben sieht. Ein weiteres Schlüsselerlebnis widerfährt ihm zur Wendezeit. Auf seinem morgendlichen Weg zum Dienst trifft Pater Vincens beim Bäcker auf eine hungrige Meute Feldjäger (damals noch in Weißzeug unterwegs). Zum Erstaunen der Verkäuferin übernimmt er deren Rechnung für Schrippen und Milch und wird als Dankeschön von den Soldaten in die Julius-Leber-Kaserne eingeladen. Seither sichtet man sein Habit und Birett dort regelmäßig. Mit seinen legendären weißen Mäusen im Gepäck ist Pater Vincens nicht nur beim sonntäglichen Feldjägerkaffee ein gern gesehener Gast. Vielfach gibt er Lebenskundlichen Unterricht für die Soldaten, führt Feldgottesdienste auf Truppenübungsplätzen durch oder unterstützt – wann immer angefordert – auch nachts seelsorgerisch. Dabei ist er in seinem schwarzen Ordenskleid nicht nur im Kreise der Feldjäger bekannt wie ein bunter Hund. Auch Sanitäter, Logistiker oder die Kameraden der Luftwaffe freuen sich auf und über seine Besuche. Mit vielen Soldaten wuchs über die Jahre auch privat eine tiefe Verbundenheit. Und so hat Pater Vincens über die Zeit viele Feldjäger persönlich getraut sowie Kinder und Soldaten getauft.

Ganz besonders am Herzen liegen ihm jedoch die Bundeswehrsoldaten, die sich im Auslandseinsatz befinden. Sie bindet er in seine täglichen Gebete ein, stattet ihnen auch in Mazedonien, im Kosovo oder in Bosnien zahlreiche Besuche ab und versorgt sie an Ostern und zur Weihnachtszeit mit allerlei Nützlichem und Süßkram im Zuge seiner alljährlichen Paketaktionen.

Was ihn antreibt? „Die Liebe zum Menschen und die Lust zur Arbeit!“ Und so wächst der 1,56 m große Pater vor allem in der (Vor-)Weihnachtszeit jedes Jahr über sich hinaus. Wie in den Supermärkten beginnt auch sein „Weihnachtsgeschäft“ bereits Ende September. Namen und Einsatzorte der Soldaten, die das diesjährige Weihnachtsfest im Ausland begehen, müssen beim Stab organisiert werden. Die Wohltäterbriefe müssen verschickt werden, um die nötigen Spendenbeiträge zu generieren, Einkaufslisten geschrieben und zahlreiche Helfer akquiriert werden. Erst dann können die Beschaffungstransporte anlaufen, um die Pakete mit Duschgel, Kaugummis, Salami, Spekulatius oder Kaffee zu befüllen. Wie immer ist von jedem und vor allem für jeden etwas dabei. Und noch während die Pakete ihren Weg in die Einsatzgebiete zurücklegen, wirbelt der quirlige Pater bereits in Berlin weiter.

Denn, was nicht organisiert ist, findet nicht statt!

Der frühe Spatz hat mehr vom Tag                                                                                                                                      Nach wie vor beeindruckt der 88-jährige, Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Verdienstordens des Landes Berlin, mit seinem Temperament und seinem unermüdlichen Einsatz. „Gutes tun, fröhlich sein und im Übrigen die Spatzen pfeifen lassen.“ Eine Maxime, die der Ordensmann 24/7 lebt. Das Unternehmen läuft, rund um die Uhr.

Was ihm wichtig ist? Seine Mobilität.                                                                                                                                       Und seine Pläne für 2018? Vor allem seine Beziehungen zu den Feldjägern möchte er sich auch weiterhin bewahren; seinen seelsorgerischen Dienst nebst Sonntagsgottesdiensten im Karl-Steeb-Heim fortsetzen und Mitbrüdern aushelfen können und - so Gott will - noch lange vital leben!

Veröffentlich mit freundlicher Genehmigung des Autors

Patrick Johrden

Bilder Patrick Johrden

und Wolfgang Böhm